Eifelland 4Relax Nissan Interstar-e: Fahrbericht
Elektro-Camper für 90.000 Euro: So weit kommt er wirklich

Vollelektrische Kastenwagen sind bislang noch eine Randerscheinung. Dabei bringen Elektroantriebe Vorteile mit. Wir waren mit dem Eifelland 4Relax unterwegs.
Bild: Sven Krieger
- Daniel Eilers
Eben noch auf dem Caravan Salon Düsseldorf zu sehen – jetzt schon bei uns im Test: der Nissan Interstar-e mit 4Relax-Ausbau von Eifelland. Die Traditionsmarke hat ihre Wurzeln im Caravanbau: 1972 gründete Günther Hennerici die Eifelland-Wohnwagenfabrik, bereits 1973 wurde das Unternehmen von Knaus übernommen. Heute entstehen unter dem Namen wieder eigenständige Reisemobile in Manufakturfertigung.
Zum Modelljahr 2026 wechselte Eifelland beim Relax vom Renault Master auf den technisch eng verwandten Nissan Interstar. Bei unserem Testwagen geht die Marke noch einen Schritt weiter: Statt eines Diesels dient erstmals ein vollelektrischer Transporter als Basis. Vollelektrisch? Ja, richtig gelesen: Eine 87-kWh-Batterie soll zeigen, dass E-Transporter als Camper dem mobilen Urlaub gewachsen sind.
Leise und flott wie ein Pkw
Die gute Nachricht: Mit 87 kWh ist die Batterie großzügig dimensioniert. Für den Interstar-e nennt Nissan eine WLTP-Reichweite von bis zu 460 Kilometern. Wichtig dabei: Dieser Wert bezieht sich auf das Basisfahrzeug, nicht auf den fertig ausgebauten und womöglich voll beladenen Camper.

Die beiden Einzelsitze im Wohnraum kommen vom Spezialisten Schnierle und lassen sich längs im gesamten Innenraum in Schienen verschieben oder bei erhöhtem Platzbedarf komplett ausbauen.
Bild: Sven Krieger
Unsere Praxiserfahrungen zeigen jedoch, dass selbst mit Ausbau Reichweiten von bis zu 400 Kilometern im Alltag erreichbar sind – zumindest ohne zusätzliche Beladung und bei günstigen Witterungsverhältnissen sowie konsequenter Rekuperation, überwiegend Stadtverkehr und der Prämisse, dass man das "Gas"-Pedal nur streichelt. Auf der Autobahn sieht die Sache naturgemäß anders aus.
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Bei etwa 100 km/h wird die mögliche Reichweite auf rund 300 Kilometer schmelzen. Gegenüber vergleichbaren Dieselmodellen, die je nach Fahrzeug und Tankgröße 600, 700 oder sogar 800 Kilometer am Stück schaffen, ist das ein klarer Nachteil. Dafür ist der Nissan beim Laden recht gut aufgestellt. An einer DC-Schnellladesäule nimmt er maximal 130 kW entgegen, die wir tatsächlich gesehen haben. Für Wechselstrom gehört sogar ein 22-kW-On-BoardCharger zur Serienausstattung.
Gerade für ein Reisemobil ist das interessant: Wer am Campingplatz eine entsprechende AC-Säule findet, kann während der Standzeit nachladen. Der Elektromotor leistet 105 kW, also 143 PS, und entwickelt maximal 300 Newtonmeter Drehmoment. Mehr braucht man nicht, denn die elektrische Kraftübertragung erfolgt ohne Schaltverzögerung.

Das Doppelbett misst 1,90 x 1,60 Meter und bietet zwei Personen ausreichend Schlafplatz.
Bild: Sven Krieger
Das Fahrverhalten ist überragend: Dass man in einem gut 6,31 Meter langen Transporter sitzt, gerät unterwegs in Vergessenheit und fällt erst beim Einparken oder Aussteigen wieder auf. Im Innenraum kehrt während der Fahrt eine fast erschreckende Ruhe ein – kein Vergleich zu einem dagegen röhrenden und dröhnenden Ducato.
Hier spielt der E-Transporter einen seiner größten konzeptionellen Vorteile aus: kein Dieselnageln, kein Hochdrehen vorm Gangwechsel und minimale Antriebsgeräusche. Selbst ein feingeistiger Sprinter oder gut gedämmter MAN TGE kann diese Ruhe nicht bieten. Einparkhilfen vorne und hinten sowie ein 360-Grad-Flankenschutz helfen beim Rangieren.
Technische Daten: Eifelland 4Relax Nissan Interstar-e
Technische Daten | Eifelland 4Relax Nissan Interstar-e |
|---|---|
Motorisierung | Elektromotor |
Leistung | 105 kW (143 PS) |
Drehmoment | 300 Nm |
Höchstgeschwindigkeit | 115 km/h |
Getriebe | Stufenlose Automatik |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Batteriekapazität | 87 kWh, Lithium-Ionen |
Länge/Breite/Höhe | 6315 / 2080 / 2498 mm |
Radstand/Bereifung | 3585 mm / 205/75 R 16 |
Masse fahrbereit/Zuladung | ca. 3055 / 445 kg |
Anhängelast (gebremst/ungebremst) | 2000 / 750 kg |
Außenmaterial Wand/Dach/Boden | Stahlblech |
Stärke Wand/Dach/Boden | 19 mm |
Isoliermaterial Wand/Dach/Boden | Dämmstoff (XPS) |
Liegefläche Heck L x B | 1900 x 1600 mm |
Innenhöhe/-breite max. | 1850 / 1860 mm |
Kühlschrank/Eisfach | Kompressor: 90 / 7,5 l |
Herd | Induktion, 2 Kochfelder |
Bordbatterie | Lithium-Ionen, 100 Ah |
Frisch-/Abwassertank | 48 / 30 l |
Elektroheizung | Truma Eezy, 1,8 kW |
Grundpreis/Testwagenpreis | 89.900 Euro / 89.900 Euro |
Auch bei den Assistenzsystemen ist der Interstar-e zeitgemäß aufgestellt: Intelligenter autonomer Notbremsassistent mit Fußgänger- und Radfahrererkennung, Müdigkeitsassistent, Spurhalteassistent und Seitenwindassistent fahren bei unserem Testwagen mit. Auch gut: Mit wenigen Klicks lässt sich der lästige Geschwindigkeitswarner deaktivieren, der aufgrund der beschriebenen fehlenden Motorgeräusche noch mal aufdringlicher ist.
Unser Eifelland basiert auf der Ausstattung N-Connecta. Damit sind auch noch Klimaautomatik, kabelloses Apple CarPlay und Android Auto sowie eine induktive Ladeschale fürs Smartphone an Bord.
Vier Sitzplätze, aber keine Dusche
Kommen wir zum Ausbau von Eifelland, denn auch der ist alles andere als gewöhnlich. Der Relax verzichtet bewusst auf ein Bad und schafft so Platz für vier Reisende: Neben Fahrer- und Beifahrersitz gibt es zwei herausnehmbare Einzelsitze, die sich flexibel im Innenraum positionieren lassen. Wer zu zweit reist, gewinnt ohne sie zusätzlichen Platz im Wohnbereich. Im Heck befindet sich ein großes Doppelbett mit 1,90 x 1,60 Meter Liegefläche.

Das dem Fahrer zugewandte Cockpit ist ergonomisch extrem gut gelungen.
Bild: Sven Krieger
Statt eines fest eingebauten WCs fährt ein Porta Potti mit. Der Relax setzt bewusst auf einen luftigen Innenraum, in dem keine Sanitärmöbel wertvolle Fläche schlucken. Gerade bei sperriger Ausrüstung zahlt sich das aus. Und so bleibt selbst der von Haus aus adipöse Stromer trotz üppiger 87-kWh-Batterie unter 3,5 Tonnen. Bei 3500 Kilogramm zulässigem Gesamtgewicht bleiben 445 Kilogramm Zuladung.
Sollte die neue 4,25-Tonnen-Grenze im Rahmen der Klasse B greifen, wird die Sache interessanter. Dann könnte sogar der Akku noch größer werden (Platz dürfte da sein) und die Reichweite steigen. Die Küchenzeile ist mit einem 90-Liter-Kühlschrank, einem Induktionsherd mit zwei Kochfeldern, einer großen Spüle und geräumigen Schubladen komplett ausgestattet. Hochwertige Hängeschränke und der Echtholz-Ausbau sorgen für wohnliches Ambiente.

Die 87-kWh-Lithium-Batterie des Nissan Interstar-e kann per Gleichstrom mit bis zu 130 kW schnellgeladen werden.
Bild: Sven Krieger
Im Heck steht zusätzlich eine rund 0,77 × 1,75 × 1,80 Meter (H × B × T) große Garage zur Verfügung. Spannend ist die Einbindung des Elektroantriebs: Über Vehicle-to-Load (V2L) kann die Hochvoltbatterie die serienmäßige Truma-Eezy-Standheizung versorgen, die weder Diesel noch Gas braucht. Ein Solarpanel war bei unserem Testfahrzeug nicht auf dem Dach verbaut, die Energieversorgung des Aufbaus stützt sich damit auf die Fahrzeugbatterie und externe Stromquellen.
Das spart zwar Gewicht, sorgt aber nicht für mehr Freiheit. Machen wir uns nichts vor: Die Zukunft wird elektrischer werden. Ein Zusammenspiel aus Fahrzeugbatterie und den Verbrauchern Heizung, Herd, Kühlschrank – idealerweise ergänzt um Solarstrom – ist ein schlüssiges Konzept. Die Kooperation von Nissan und Eifelland zeigt, wie weit sich dieses schon heute umsetzen lässt.
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